Ju-Jutsu ab 45: Aktualisierter Leitfaden für Training und Prüfungen
Ju-Jutsu ist keine Frage des Alters. Allerdings verändern sich mit den Jahren die körperlichen Voraussetzungen, und nicht jede Technik lässt sich von jedem Menschen in gleicher Weise ausführen. Damit auch ältere Ju-Jutsuka ihren Sport langfristig und mit Freude betreiben und sich weiterhin Prüfungen stellen können, hat der Ju-Jutsu-Verband Württemberg (JJVW) seinen Leitfaden für Sportler ab 45 Jahren überarbeitet.
Der Leitfaden wurde ursprünglich 2011 von Hennes Meinikheim erstellt und 2026 von Volkmar Baumbast, Günter Stolz und Frieder Knauss fortgeschrieben. Er richtet sich an Sportler, Trainer und Prüfer und schafft eine gemeinsame Grundlage für ein altersgerechtes Training und faire Prüfungsbedingungen.
Individuelle Möglichkeiten berücksichtigen
Im Mittelpunkt steht der Gedanke, dass eine Technik nicht zwingend mit maximaler Dynamik ausgeführt werden muss, um wirkungsvoll und technisch korrekt zu sein.
Der Leitfaden beschreibt deshalb Möglichkeiten, Training und Prüfung an die individuellen körperlichen Voraussetzungen anzupassen. Dabei geht es unter anderem um Beweglichkeit, Koordination, Kraft, Gleichgewicht und die Vermeidung unnötiger Belastungen.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der sicheren und prinzipiengerechten Ausführung der Techniken. Denn auch bei angepassten Bewegungsabläufen bleiben die Grundsätze des Ju-Jutsu und der Selbstverteidigungscharakter erhalten.
Angepasste Prüfungen ohne Abstriche bei der Bewertung
Besonders wichtig sind die Regelungen für Ju-Jutsu-Prüfungen. Sportler ab 45 Jahren können auf Wunsch die im Leitfaden vorgesehenen Technikvarianten und Unterstützungsmöglichkeiten nutzen.
Dazu gehören beispielsweise:
- Alternative Technikausführungen bei körperlichen Einschränkungen
- Eine angepasste Dynamik und ausreichende Erholungspausen
- Die Möglichkeit, eigene Prüfungspartner einzusetzen
- Verbale Unterstützung während der Prüfung
- Die Aufteilung bestimmter Kyu-Prüfungen auf zwei Termine
- Die Möglichkeit, nach besonderer Abstimmung auch Dan-Prüfungen aufzuteilen
Die beschriebenen Technikvarianten sind bei korrekter Ausführung von den Prüfern anzuerkennen, ohne dass daraus Bewertungsabzüge entstehen dürfen.
Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um eine pauschale Absenkung der Prüfungsanforderungen. Die Qualität der Techniken, ihre Prinzipien und ihre Wirksamkeit bleiben maßgeblich. Entscheidend ist, dass der Prüfling die geforderten Inhalte entsprechend seinen Möglichkeiten technisch überzeugend demonstriert.
Umsetzung in den Vereinen
Damit die Regelungen auch tatsächlich im Trainings- und Prüfungsalltag ankommen, möchten Seniorenbeauftragter Günter Stolz und JJVW-Ehrenpräsident Volkmar Baumbast die Vereine stärker einbeziehen.
Alle Vereine, in denen Sportler ab 45 Jahren aktiv trainieren, werden gebeten, bis spätestens Ende November 2026 eine Ansprechperson für diese Altersgruppe zu benennen.
Die Meldung erfolgt an Volkmar Baumbast unter v.baumbast@gmx.de.
Anschließend ist ein Austausch mit den Vereinen vorgesehen, um Erfahrungen, Anregungen und mögliche Fragen zur Umsetzung zu besprechen.
Der Leitfaden soll außerdem beim Prüferlizenzlehrgang im Januar 2027 behandelt und in die Trainer-Aus- und Fortbildung einbezogen werden. Auch das Kursleiterangebot „Fit und sicher im Alter“ wird weiterhin unterstützt.
Bei kommenden Vereins- und Dan-Prüfungen sollen die Regelungen auf Wunsch der jeweiligen Prüflinge angewendet werden. Rückmeldungen aus der Praxis sind ausdrücklich erwünscht und sollen in die Weiterentwicklung des Konzepts einfließen.
Ein Konzept, das sich weiterentwickeln soll
Der aktualisierte Leitfaden versteht sich nicht als abschließendes Regelwerk. Vielmehr soll er gemeinsam mit Trainern, Prüfern und Sportlern weiterentwickelt werden.
Denn das Ziel ist einfach: Ju-Jutsu soll auch mit zunehmendem Alter ein Sport bleiben, der fordert, fördert und Freude macht.
Fragen, Erfahrungen und Anregungen nimmt der Seniorenbeauftragte des JJVW, Günter Stolz, unter guenter.stolz@t-online.de entgegen.
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